Gang Gang Dance – Kazuashita

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Distinktion ist das Stichwort. Ein tief moduliertes Geräusch, das ungefähr so klingt, wie wenn ein Kind manchmal ein Glas mit seinem Mund abdeckt und hinein pustet. Aus Langeweile und halber Experimentierfreude. Das ist das Intro vom neuen Album der renommierten New Yorker Band Gang Gang Dance. Was noch witziger ist: Der anschließende Track knüpft überhaupt nicht an den Opener an.

„J-Tree“ setzt nämlich auf Percussion, kauzige Synthesizer und die, ja, markante Stimme von Lizzi Bougatsos, die irgendwo zwischen mystischer Björk und schriller Yoko Ono liegt. Trotzdem klingt der Song meditativ und schafft es trotz aller angedeuteten Genres, das Trademark von Gang Gang Dance freizusetzen:

Psychedelisch anmutende Electronica mit kurzen Gitarren-Momenten. Sieben Jahre hat man das vermisst, zumal Lizzi in einem Interview ein früheres Release versprach.

Eventuell liegt es daran, dass „Kazuashita“ vom Schock der letzten US-Wahl überschattet ist? „Kazuashita“ heißt übersetzt so viel wie „Peace Tomorrow“ und soll die Zeit thematisieren, in der die Songs entstanden sind.

Tatsächlich spürt man bisweilen die Dringlichkeit und Härte der Themen. In besagtem „J-Tree“ hört man am Ende beispielsweise einen Ureinwohner-Aktivisten schreien, der seinem Ärger über die Öl-Pipeline in North Dakota Luft macht, deren Bau durch Obama gestoppt und unter Trump fortgesetzt wurde.

Experimental-Pop, der vielen zu arty sein mag, aber einen Zweck zu verfolgen scheint. Gang Gang Dance setzen einem um Heterogenität bemühten Amerika quasi eine farbenfrohe, mystisch wirkende und ungemein eklektische Klangmasse entgegen.

Es passt, dass ein bildender Künstler mit dieser Crew kollaboriert und im Titeltrack zu Tribal Drums und ätherischem Ambient alle möglichen Farben aufzählt. Später driftet der achtminütige Track nahezu in technoide Sphären mit polyrhythmischem Shoegaze plus Klavier ab. Und Lizzi singt so viel wie „Meet me in the Sun“ – Angabe ohne Gewähr.

Ein Sound, ein Sog, ein Rätsel. Aber man kann verstehen, warum die internationale Presse Gang Gang Dance bisweilen abfeiert und akzentuiert, dass diese Band schon da war, bevor Künstler wie Grimes und Drake die Bühne betraten. Also vor Acts existierte, die sich nie auf ein Genre festlegen.

Das Paradebeispiel für den multilateralen Ansatz von Gang Gang Dance: der bouncende Track „Young Boy (Marika in Amerika)“. Der kommt mit Grime, Synthesizern im Style von The Knife und kurz einsetzenden Sounds, bei denen man als Schelm an Panjabi MC denken muss. Kongenial. Bisweilen zumindest.

Manche Stellen wirken dann doch ein wenig zu überladen und man muss eingestehen, dass die Tanzbarkeit mehr als einmal ein wenig daran leidet. Dafür zieht es Gang Gang Dance doch zu sehr in Richtung Protest, auch wenn das mitnichten nach Protestmusik klingt. Eine Stimme im sphärischen Interlude „(nova terrae)“ formuliert es dann so: „songs about destroying the art of songs“. Fast schon kämpferisch.

Am Ende geht es für die Gruppe jedoch gefühlt ins Spirituelle. „Too Much, Too Soon“ scheint uns jedenfalls mit einer Art Electro-Harfe zu hypnotisieren und gegen Ende wird es mit den gediegenen Synthesizern „Salve On The Sorrow“ dann schon fast romantisch.

Immer wieder Distinktion halt.

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